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Am Dienstagmorgen, den 27.11.2018, besuchte die Autorin Grit Poppe die SchülerInnen des GGV, um ihnen aus ihrem Jugendroman „Weggesperrt“ vorzulesen und mit ihnen über die Welt der Jugendlichen in der DDR zu sprechen. Die Autorin startete mit Erklärungen, Bildern und Zeitzeugenberichten aus den Jugendwerkshöfen. Die SchülerInnen erfuhren, dass viele der damals als Jugendliche betroffenen Menschen, die heute erwachsen sind, noch immer an den Folgen des dort Erlebten in Form von posttraumatischen Belastungsstörungen leiden.

Frau Poppe erzählte den SchülerInnen auch von ihren persönlichen Erfahrungen als Jugendliche in der DDR, die nicht in Jugendwerkshöfen aufwuchs. So konnten die SchülerInnen „aus erster Hand“ von ihrem Leben ohne Reisemöglichkeiten und mit Einschränkungen des Familienkontaktes zu den im Westen lebenden Verwandten erfahren. Sie veranschaulichte den SchülerInnen die Methoden der Stasi, der geheimen Staatspolizei der DDR, mit offiziellen und inoffiziellen Mitarbeitern vorzugehen. Was dieses System fehlenden Vertrauens mit den Menschen gemacht hat, erfuhren die Klassen dann durch das Vorlesen aus dem Roman „Weggesperrt“:

Anja, die Hauptfigur in Poppes Roman, wird von ihrer Mutter getrennt festgenommen, da Anjas Mutter als regimekritisch gilt. In der Jugendhaft lernt Anja über ihre Mitgefangene Gonzo das dortige System kennen. Beide Mädchen zeigen, dass trotz des harten Umgangs und Systems so etwas wie Vertrauen und Freundschaft möglich ist. Und auch durch die Figur Tom zeigt Poppe, wie positive Gedanken und Gefühle trotz äußerer negativer Umstände Trost und Hoffnung spenden.

Nach dem Vorlesen nutzten die SchülerInnen die Gelegenheit, Grit Poppe Fragen zum Roman, zum Schriftsteller-Sein und auch zum System der DDR zu stellen. Es wurde deutlich, dass das dort beschriebene System für die SchülerInnen – zum Glück – schwer vorstellbar ist. So haben die 7. Klassen viel gelernt und ihren Horizont bezüglich der Geschichte des eigenen Landes erweitert und haben Erleichterung und Dankbarkeit erfahren darüber, dass sie heute – 30 Jahre nach dem Mauerfall – in einem freien und vereinigten Deutschland leben. Die Lesung hat den SchülerInnen eine Auszeit beschert, ein Abtauchen in eine andere Welt. Vor-Lesen ist eben Kino für den Kopf.

Zum Abschluss durften die SchülerInnen sich noch Autogrammkarten, Infos zum Jugendwerkshof Torgau, der heute eine Gedenkstätte ist, sowie „echte“ DDR-Münzen für zuhause mitnehmen.

Und wer Lust hat zu erfahren, wie es mit Anja, Gonzo und Tom weitergeht, leiht sich vielleicht den Roman in der Schülerbücherei oder der öffentlichen Bücherei Vreden aus, mit deren Kooperation die jährlichen Lesungen für die 7. Klassen am GGV stattfinden.

Ute Lindenau

 

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